Maidel und Garma Lower Secondary School 

,,Das Lächeln ist Nepali, nur die Haare… die sind irgendwie so grau!’’

So wurde ich liebevoll nach meiner Ankunft in Maidel von Mister Tamang beschrieben. 4 Wochen habe ich an der Schule in Maidel mitgeholfen und eine sehr erfahrungsreiche Zeit verbracht.

Ich wohnte bei einer Familie und an Gastfreundschaft mangelte es definitiv nicht! Alle waren rührend zu mir und unglaublich herzlich, trotz Sprachbarriere. Ich hatte mein eigenes kleines Zimmer, das durch eine Holzwand vom Schalfraum der Familie getrennt war. Somit war ich akkustisch zwar immer noch mitten drin, aber hatte mein eigenes Reich.

Mit den mitgebrachten Farben und Papieren hatte ich sofort das Herz der beiden kleinen Töchter erobert, die nun täglich an meinem Bett saßen und mir malend und bastelnd Gesellschaft leisteten. Zusätzlich waren sie meine perfekten Lernpartner, sie übten ihre ersten Wörter Englisch und ich wagte meine ersten Versuche in Nepali. Besonders letzteres war für alle immer äußerst unterhaltsam.

Das Hauptessen war Dal Bhat, was mir sehr gut schmeckte. Morgens um 9 Uhr war es anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten war ich begeistert. Meine Hausmutter war auch stets bemüht mir kleine Variationen anzubieten. Meine Begeisterung wurde allerdings etwas geschwächt als es dann um die Mengen an Essen ging… Circa alle 3 Stunden wurde mir ein gefühlt ganzes Mittagsessen aufgetischt darunter eben Dal Bhat, Nudelsuppe, gekochte Kartoffeln, usw. Zwischendurch natürlich immer Milchtee mit viel Zucker. Somit fühlte ich mich schnell überversorgt, während manche Kinder in ihrer Mittagspause nur an ein paar Keksen rumknabberten.

In der Schule bestanden meine Hauptaufgaben darin mit den Lehrern tatkräftig Englisch zu üben, sie bei ihrem Englischunterricht zu unterstützen, Computerbasics zu vermitteln, vereinzelte Unterrichtsstunden ganz zu übernehmen und meine eigene Klasse in Creative Arts abzuhalten.

Das ganze Dorf und gefühlt alle weiteren Dörfer im Umkreis haben sich schon allein über meine Anwesenheit riesig gefreut. Trotz geringer Englischkenntnisse und meiner noch geringeren Nepalikenntnisse hatte ich sehr oft Besuch und man hat sich mit Händen und Füßen versucht verständlich zu machen.

Die Schüler hingegen waren sehr schüchtern. Nur die Kleinen, bei denen gab es keine Scheu. Sobald ich den Raum betrat wurde ich auch schon mit Heften und ,,Miss’’ Rufen überstürmt. Mit ihnen habe ich meistens einfache Zeichnungen mit englischer Beschriftung gemacht, Lieder gesungen oder das Alphabet geübt.

Bei Grade 6 hatte ich meinen eigenen Creative Arts Unterricht. Dort gestalteten wir Bücher. Die Kinder konnten ihre eigene Geschichte auf Nepali schreiben und sie mit Bildern illustrieren. Später haben Mister Kumar und ich das Ganze ins Englische übersetzt und ich habe die Bücher als Geschenk an die Kinder am Computer zusammengestellt und fertig gebunden. 

Auch einen Schulausflug konnten wir in der kurzen Zeit organisieren. Mit einer Gruppe von 35 Kindern aus Grade 4-8, ging es auf Wanderschaft runter zum Fluss. In Zahlen bedeutete das 3 Stunden konstant runter laufen und 4 ½ Stunden alles wieder hochklettern. Eine willkommene Abwechslung für alle.

Nach 4 Wochen hieß es dann aber schweren Herzens Abschied nehmen, denn die Schule in Garma wartete auf mich. Alle überraschten mich am letzten Tag mit einer rührenden Abschiedsfeier. Überhäuft mit Schals, Blumenkränzen und das Gesicht voll Farbe schenkten sie mir auch noch einen handgemachten lokalen Teppich mit der Inschrift Maidel.

Mit diesen unglaublichen Erfahrungen im Gepäck ging es auf nach Garma. Die Schule bietete mir schon allein von der Größe her einen riesen Kontrast zu Maidel. Hier waren aber auch nicht nur die Lehrer sehr interessiert, sondern auch die Kinder suchten sofort den Kontakt zu mir und hatten auch keine Scheu ihr Englisch zu benutzen. Da ich nur noch gut 2 Wochen Zeit hatte, wollte ich diese in vollsten Zügen nutzen und so machte ich mich täglich auf die 45 minütige Wanderung zur Schule. Leider machte mir der Temperaturunterschied zu Maidel zu schaffen, besonders dass es Nachts bis zum Gefrierpunkt runterkühlte, und somit kränkelte ich über den gesamten Zeitraum vor mich hin. Aber trotz Erkältung wurde vom ersten Tag an gemalt und gebastelt was das Zeug hält. Die Lehrer freuten sich sehr über neuen Input ihr Lehrmaterial auf kreative und anschaulische Weise zu vermitteln und die Schüler hatten riesen Spaß am werkeln. So dass die Wände der Klassenzimmer schnell von oben bis unten geschmückt waren.

Zusätzlich übernahm ich ein paar Englischklassen und sprang immer wieder ein wenn es Mangel an Lehrpersonal gab.

Das hatte allerdings zur Folge, dass ich immer erst in der Minute selbst erfuhr in welche Klasse es ging. Es war eine Herausforderung, mir schnell den Lehrplan anzuschauen und spontan eine passende Umsetzung zu finden die bestmöglichst auch in 40 Minuten durchführbar war. Die Lehrer schienen das ganz selbstverständlich von mir zu erwarten. Nach den ersten Tagen fing ich dann an mich auf das Unvorbereitete vorzubereiten und hatte immer ein paar Bastelgrundlagen und Unterrichtsideen im Gepäck, welche an verschiedene Themen anpassbar waren. 

Die Zeit verging wie im Flug und morgens standen die Kleinen schon dicht gedrängt in der Tür zu ihrem Klassenzimmer und versuchten mich mit ,,Psst ! Miss ! Miss Nora… Here !’’ anzulocken und herbeizuwinken. Ich brauch wohl kaum zu erwähnen wie sehr mich das freute…

Auch hier gab es wieder eine kleine Abschiedsfeier und mir wurde klar : das war sicher nicht das letzte Mal Nepal für mich! Das Land hat mich zusammen mit seinen Menschen in den Bann gezogen… 


Nora Gastauer

Kunsttherapeutin

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